Wer kennt sie nicht….die Unruhe, wenn man eine schwierige Situation realisiert. Meist schlagartig ist man damit konfrontiert, dass die eigene Erwartung nicht mit der Realität übereinstimmt. Ein Konflikt – nach meiner Definition. Hinzukommen negative Reaktionen der Beteiligten: Ärger, Wut, Verzweiflung, Drohungen, Einsatz von Macht, Trauer, u.v.m..

Das Auto muss in die Werktstatt. Das eigene Geld reicht nicht für die Reparatur.

 

Man will pünktlich bei einem Termin erscheinen, ist rechtzeitig losgefahren und merkt plötzlich, dass man den Termin nicht pünktlich einhalten kann. Ungeplante widrige Umstände begegnen einem.

 

Man plant das kommende Wochenende. Freut sich darauf. Und plötzlich kommt alles anders….ein Unfall…Krankheit.

 

Der Partner fängt immer kontinuierlicher mit Alkohol im Übermass an.

Manche ungünstige Faktoren im Leben lassen sich einfach nicht beeinflussen. Trotz aller Bemühungen. Schicksale. In schwierigen Situationen, die man nicht mehr wegdiskutieren kann, hat man zwei Möglichkeiten:

1. Man wird zum Opfer der Situation und bleibt in negativen Reaktionen (Ärger, Hass, Wut, Trauer, Verzweiflung u.m.) hängen oder

 

2. Man versucht, sich nicht von den eigenen Gefühlen überwältigen zu lassen und sucht nach Möglichkeiten, um etwas Gutes aus der Situation zu machen. Manchmal sind schwierige Lebenssituationen allerdings so schwierig, dass andere das Denken übernehmen müssen. Genau daher ist eine Gemeinschaft so wertvoll.

Ich mache logischerweise Werbung für die 2. Möglichkeit. Beispiele aus dem Leben helfen dabei. Gestern im Gottesdienst ist mir wieder ein wunderschönes Beispiel begegnet: die Veeh-Harfe.

Die Geschichte der Veeh-Harfe beginnt in Gülchsheim mit Andreas Veeh, dem Sohn von Inge und Hermann Veeh auf dem dortigen Bauernhof. Immer schon wurde dort Hausmusik gemacht. Geige, Cello und Harmonium hatten ihren festen Platz im Familienalltag, besonders natürlich in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Arbeit es zuließ. So entdeckte der Vater bald das musikalische Interesse seines Sohnes, der mit Trisomie 21 auf die Welt gekommen war.

Es ist eine anrührende Geschichte, wie Hermann Veeh begann, nach einem Instrument zu suchen, das Andreas spielen konnte. Angeregt von den Möglichkeiten der Notenschreibung für die historische Akkordzither, begann er schließlich ein eigenes Instrument für Andreas zu entwickeln, das durch Saitenabstand und Notengröße auf die Bedürfnisse seines Sohnes zugeschnitten war.

Viele Jahre dauerte es. Unermüdlich arbeitete und experimentierte Hermann Veeh seit 1987 an vielen Prototypen. Andreas testete die Instrumente immer wieder, bis endlich 1992 der Durchbruch gelang. Form und Klang und Spielbarkeit waren so, wie Hermann Veeh es sich vorgestellt hatte. Die Veeh-Harfe war geboren.

Wenn Sie mehr über die Geschichte mit Andreas und die Wirkungsgeschichte der Veeh-Harfe erfahren möchten, das Buch „Silberblick” weiß alles zu berichten. Es erschien 2012 zum 25-jährigen Jubiläum der Veeh-Harfe.

Bei mir entsteht in vergleichbaren Situationen Unruhe. Ob es Herrn Veeh auch so ging, kann ich nicht sagen. Ich hatte noch keine Gelegenheit, ihn selber zu fragen. Bei meiner Arbeit tut es das tagtäglich. Schwierige Lebenssituationen lösen Unruhe bei den Beteiligten aus. Schafft man es gemeinsam, die Unruhe gelassen anzunehmen und als Motivation zur Suche nach Möglichkeiten zu nutzen, entstehen wunderschöne Geschichten. Schwierige Lebenssituationen haben Potential, das sich zu entfalten lohnt.

Das Ergebnis der Möglichkeitensuche von Herrmann Veeh berührt und bereichert zudem viele Menschen. Und das auf zwei verschiedene Wege: beim Spielen, gemeinsam und alleine, der Harfe sowie beim Hören. Auch der Name erinnert beim Hören gleich an eine gute Fee. Mir gibt es zudem die Möglichkeit, Werbung für schwierige Lebensitutationen zu machen. Nein. Ich werde oft missverstanden. Ich konstruiere sie nicht, nur, um damit Gewinne machen zu können. Ich biete mit meiner Werbung eine neue Perspektive, um das, was man nicht mehr ändern kann, zu nutzen. Gewinnbringend für alle.

In der Bibel gibt es dazu auch eine Aufforderung:

Betet ohne Unterlass! 1.Thessalonicher 5,17

Manchmal erscheint alles aussichtslos. Dann könnte man es mit einem Gebet versuchen.

 

Claudia Riege