Bedürfnisse?! können geparkt werden.

Obwohl ich das Bedürfnis gerade nicht stillen kann, stehe ich in enger Verbindung mit ihm, allein weil ich es registriere.

Zitat – S. 47 – aus Das wird Schule machen / Autor: Andreas Reinke – http://shop.famlab.de/DaswirdSchulemachen

Ein großer Stressfaktor ist, Bedürfnisse – die eigenen und die der anderen – erfüllen zu müssen. Das müssen sie nicht. Das, was wirklich dringend ist, kommt auf einen zu.
Doch sie zu sehen, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu parken ist wichtig. Für die Selbstwahrnehmung (auch Selbstwertgefühl) und damit für das Mitgefühl unseren Mitmenschen gegenüber. Gibt es Konflikte, hat man die Möglichkeit, eigene Bedürfnisse zu erkennen. Gemeinsam oder allein. Haben wir sie erkannt, weggeschickt oder geparkt, werden wir stärker und sanfter. Ein Konfliktgewinn.
Andreas Reinke beschreibt wunderschön klar und hilfreich die Zusammenhänge. Das Schöne liegt u.a. darin, dass er Leser an seinem Prozess, seinen Gedankenweg, teilhaben lässt. Ohne etwas wegzulassen. Ich hatte das Gefühl, mit ihm beim Lesen stärker zu werden.

Innere Stärke
Gefunden bei Bahar Yilmaz auf Facebook

Claudia Riege

Bedürfnisse und Gefühle anderer verstehen – für einen Kompromiss?

Perspektivwechsel
In den Schuhen des anderen laufen
Sich in den anderen hinein versetzen

Tut man dies, so die einhellige Meinung, so kann man für eine Konfliktbeilegung passende Entscheidungen treffen, weil man den anderen versteht. Meine Erkenntnis: DAS IST UNMÖGLICH. Jeder hat einen ganz eigenen Lebensweg mit unendlich vielen prägenden teilweise unbewussten Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken. Zudem hat jeder seine ganz eigene Persönlichkeit mit guten und schlechten (ungünstigen) Seiten.
Oft hat der Aufruf, sich doch mal in die Situation des anderen zu versetzen, sogar ein ungünstiges Ende. Mit der eigenen Persönlichkeit und mit den eigenen Sichtweisen verfällt man ins Mitleid oder geht in kluge Ratschläge über. Im Fall von Mitleid entstehen Kompromisse. Im Fall der Ratschläge ist auch nicht immer ein positives Ergebnis zu erwarten. Beides weit entfernt von einem KonfliktGewinn. Der kann sich nur zeigen, wenn man zwar offen für Veränderungen, gleichzeitig aber bei sich bleibt. Eine Herausforderung, da jeder unangenehme Situationen schnell loswerden möchte.
Es macht Sinn, sich neugierig für das Problem des anderen zu interessieren. Da es nicht das eigene Problem ist, kann man leichter als der andere darüber nachdenken. Zusammenhänge verstehen. Fragen stellen. So wird das Problem deutlich. Verstehen und Empathie haben nichts damit zu tun, dass man genauso fühlt wie der andere. Wenn dann deutlich ist, was genau das Problem ist bzw. wie der andere denkt und fühlt, kann jeder überlegen, was der nächste günstige Schritt sein kann:

Zum Arzt gehen.
Einen Anwalt um Rat fragen.
Die Polizei hinzuziehen.
Ein bestimmtes Buch lesen.
Sport treiben.

Marshall Rosenberg

Claudia Riege Ich habe lange darüber nachgedacht, ob das stimmt. Ja, es ist tatsächlich so. Erst, wenn wir Menschen begegnen, die uns wirklich verstehen, haben wir die Möglichkeit, uns zu ändern.
Gizella Eichhorn Ja, denn dann können wir so sein, wie wir wirklich sind . Ein Mensch der sich unverstanden fühlt versucht so zu sein, wie die anderen ihn haben wollen.
Dieser Minidialog hat mir die Augen geöffnet. Ja, es macht absolut Sinn und es ist wichtig, die Bedürfnisse und Gefühle anderer zu verstehen. Für den anderen. Und, wenn andere das mit mir tun, auch für mich. Und schlussendlich für alle Mitmenschen. Jeder hat ungünstige Seiten, die das Potential verdecken. Wenn sich alle mit ihrem ganzen Potential einsetzen könnten, würde es allen sehr gut gehen.

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Für mich ist ein neues Modell entstanden: Empathie für Potentialentfaltung statt nur zur Konfliktbeilegung.

Claudia Riege