Macht verführt, den Weg der Liebe zu verlassen 🙊

Wenn wir die Möglichkeit haben,  den Willen anderer zu übergehen, haben wir Macht. Wenn der andere also nicht das macht, was den eigenen Vorstellungen entspricht, was man als lästig empfindet, könnte man ganz einfach die eigene Macht gegen den Willen des anderen einsetzen. Das ist verführerisch. Denn schliesslich ist man dann die unangenehme Situation erst einmal los.

Es gibt viele Möglichkeiten, gegen den Willen des anderen zu handeln, damit endlich Ruhe ist:

Man reagiert einfach nicht mehr auf Nachrichten von jemanden, obwohl man weiss, dass derjenige darauf wartet.

Man hält sich nicht an getroffene Vereinbarungen.

Man verschweigt die Wahrheit.

Man geht seinen eigenen Weg ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen.

Man entzieht sich einem Gesprächswunsch.

Man hat keine Zeit für den anderen.

Man ordnet Konsequenzen an. Wohl wissend, dass der andere im Moment die eigenen Vorstellungen nicht erfüllen kann.

Man blockiert oder sperrt jemanden.

Man stellt jemanden vor anderen Leuten falsch dar; ohne, dass der andere sich dagegen wehren kann.

Dabei muss jeder bei seinen Entscheidungen für sich selber überprüfen, ob man Entscheidungen im Sinne der Liebe trifft oder Macht einsetzt, weil man den Weg der Liebe verlassen hat und keine Geduld oder Lust mehr hat, sich mit dem Willen des anderen zu beschäftigen.

Aber ja. Manchmal ist man von schwierigen Situationen mit anderen Menschen so genervt, dass man verführt ist, mit Macht die Situation zu beenden. Im Zusammenhang mit Kindern wird es wohl jeder Erwachsene kennen, dass man geneigt ist, mit vielen schlüssigen Erklärungen gegen den Willen der Kinder, Dinge durchzusetzen.
Damit nimmt man sich nur leider auch viel Gutes. Bleibt man mit dem anderen verbunden, hofft und vertraut darauf, dass sich die Situation zum Guten auflöst und hört auf die innere Stimme, so werden sich immer wieder kleine mögliche Schritte zeigen bis sich endlich die schwierige Situation auflöst.

Schon alleine die Hoffnung, dass alles gut wird, ist ein Hinweis darauf, dass man den anderen bedingungslos liebt. D.h., dass man sich nicht gegen den anderen wendet, wenn es gerade nicht so gut gemeinsam läuft.
Verlockend ist auch, dass das Gemeinsame, das nach einem durchgestandenen Konflikt ohne Machteinsatz entsteht, sehr schön sein kann. Einen Eindruck bekommt man in dem folgenden 3-minütigen Video. Zunächst werden Gruppen (= Schubladen) gezeigt, die nichts miteinander zu tun haben oder sich sogar in der Realität bekämpfen. Dann verändern sich die Gruppen, weil sie ehrlich Fragen beantworten. Am Ende scheint es eine große gemischte Gruppe zu sein, die auf unterschiedlichste Art miteinander verbunden ist. Zu vermuten war das anfangs sicher nicht. Eine entsprechende Erfahrung gab es nicht.
Es lohnt sich daher, nicht im Kampf zu bleiben bzw. diesen mit Macht zu beenden. Man sollte nicht vergessen, dass alle Menschen dieser Erde eines gemeinsam haben: wir wollen in Frieden und Fülle mit Spass und Freude zusammen leben. JEDER will das. Es sind nur ungünstige Denkmuster, die uns trennen, so dass wir in getrennten Schubladen leben, die hier und da miteinander kämpfen.

Auch die Bibel ermahnt uns, die Lasten des anderen zu (er-)tragen.

Galater 6,1-10
Mahnung zur Brüderlichkeit
1 Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.
2 Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
5 Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.
6 Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern.
7 Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.
8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
9 Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.
10 Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Schliesslich wird einem, der fest im Glauben steht, auch durch Christus geholfen, wenn man sündigt, dies erkennt und um Hilfe bittet. Manche Situationen bzw. manche Verhaltensweisen anderer Menschen sind für einen so schwierig, dass jeder verführt sein wird, negativ zu reagieren, indem man beispielsweise einfach nur die Hoffnung aufgibt. Auch das ist streng genommen, Einsatz von Macht. Denn Hoffnung ist Vision. Und Visionen der Liebe braucht die Welt, damit sie schöner wird.

Ich wünsche uns allen, dass sich ein Miteinander so entwickelt, dass keiner mehr Macht gegen den Willen eines anderen einsetzt.

Claudia Riege