Muss Liebe alles ertragen?

Einerseits ja. Man kann nicht nur den Menschen gegenüber Liebe aufblühen lassen, wo man es gerechtfertigt findet.
Andererseits nein. Dort, wo kein aufrichtiges angenehmes Miteinander herrscht, sollte man sich nicht aufhalten.
Die eigene innere Haltung ist entscheidend.

Wer sich so unmöglich verhält, kann sehen, wo er bleibt. Ich tue mir das nicht länger an.

Diese Haltung ist anklagend und setzt irgendwie auch voraus, dass man selber immer 100%ig gut durchs Leben geht. Jeder wird es kennen: ist man in Hektik oder steht aufgrund irgendwelcher Situationen unter Druck, reagiert man mind. auch unfreundlich und genervt.

Ich ziehe mich zurück, ziehe meine eigenen Mauern hoch. Ich möchte nicht mehr verletzt werden.

Eine Mauer, die andere Menschen ausschließt, schließt einen selber ein. An dieser Stelle hilft der Glauben. Denn danach kann man es Gott überlassen, eine Schutzmauer um einen herum aufzubauen. Das ist effektiver, als wenn man versucht, sich selber darum zu kümmern.

Was also tun, wenn sich Menschen einem gegenüber unfreundlich und verletzend verhalten? Die beste Antwort findet man in der Bibel bei Galater 6, 1-4:

1Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.
2 Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
Man sollte also schon sagen, was nicht passt. Wohlwissend jedoch, dass man selber auch nicht frei von Fehlverhalten ist. So ist man selber auch offen für Ermahnungen anderer, die einen selber betreffen.
Des Weiteren sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, dass alles gut wird. Sich ein Weg zeigt. Auch, wenn es manchmal länger und aussichtslos erscheint.
 

Geht man Schritt für Schritt auf einem schwierigen Weg mit anderen Menschen, wird man Erstaunliches erleben. Das ist das, was ich als KonfliktGewinn bezeichne.

Mir ist wohl bewusst, dass die momentanen Konfliktsituationen wie z.B. die Terroranschläge oder auch manche Gewalttaten in unserer Gesellschaft eine besonders große Herausforderung sind, um den Tätern gegenüber in der Liebe zu bleiben. Es macht jedoch Sinn, da sie ja selber in irgendeiner Form Opfer geworden sind. Des Weiteren glaube ich, dass wir keine andere Wahl haben, wenn wir wollen, dass die Zukunft unserer Kinder schöner und friedlicher wird.

Claudia Riege